Wie auch im letzen Jahr haben auch bei den diesjährigen 15. Hamburger Suchttherapietagen im Mai 2010 insgesamt drei MitarbeiterInnen der Sucht- und Drogenkoordination an der Veranstaltung teilgenommen, um neue Erkenntnisse und wissenschaftliche Ergebnisse in der Wiener Drogenarbeit umzusetzen. Als Schwerpunkt der diesjährigen Veranstaltung wurde das Thema ”Sucht und Gewalt” gewählt.
„Sucht und Gewalt“ treten nicht nur oft gemeinsam auf, sondern verstärken sich vielfach gegenseitig – der Zusammenhang beginnt nicht erst bei der Abhängigkeit. Schon der exzessive Gebrauch etwa von Alkohol erhöht erfahrungsgemäß auch schon im Jugendalter das Auftreten von Gewaltverhalten. Suchtbehandlung und Prävention treten gegen das Übersehen, die Tabuisierung und die Verharmlosung von Gewalt in allen Erscheinungsformen, insbesondere auch von häuslicher Gewalt und sexuellen Übergriffen, an. Dabei gibt es verschiedene Verständnisweisen der Beziehung zwischen Suchtproblemen einerseits und Gewalt bzw. Gewalterfahrung andererseits. Alkohol z. B. „erzeugt“ vermutlich keine Aggressionen – wirkt aber als Katalysator auslösend. Abhängigkeit als übersteigertes, exzessives Streben nach bestimmten Erfahrungen definiert sich auch über Probleme der Selbststeuerung und Kontrolle, eingeschränkte Selbstwahrnehmung und erleichtert damit Grenzüberschreitungen. Zudem werden möglicherweise rauschartige Aspekte von Gewalt durch psychoaktive Substanzen verstärkt. Und schließlich sind traumatische Verletzungen von Selbstachtung und ein Mangel an Kompetenzen zur Stress- und Konfliktbewältigung oft Ursachen für gewalttätiges Verhalten sowie exzessiven oder suchtriskanten Konsum legaler und illegaler Drogen. Hieraus ergeben sich Schnittmengen für Prävention, Beratung und Therapie.

